Warum pfeifen Hörgeräte: Ursachen und Lösungen

//Warum pfeifen Hörgeräte: Ursachen und Lösungen
Warum pfeifen Hörgeräte: Ursachen und Lösungen2018-08-24T10:21:31+00:00

Hörgeräte von KorallusPfeifendes Hörgerät – wie entstehen diese Störgeräusche?

Hörgeräte sind eine wertvolle Hilfe bei Hörverlusten verschiedenster Ausprägungen, können heutzutage mit einem modernen und sehr dezenten Design punkten und wurden innerhalb der letzten Jahre enorm weiterentwickelt. Dennoch sorgen die technisch ausgefeilten Gerätschaften mitunter für Ärger, ein bekanntes Problem sind beispielsweise plötzliche Pfeiftöne. Doch wie entstehen die unangenehmen Geräusche, welche Ursachen stecken dahinter und was trägt zur Problemlösung bei?

 

Rückkopplungen beim Hörgerät sorgen für die Pfeifgeräusche

Entstehen im Hörgerät unangenehme Pfeiftöne, so handelt es sich um sogenannte Rückkopplungen. Sie kommen häufig bei Hörgeräten vor, die entweder über keine Otoplastik – also ein Ohrpassstück – oder über undichte bzw. unzureichend verschlossene Otoplastiken verfügen; hiervon können auch Im-Ohr-Hörgeräten betroffen sein. Eher selten kommen technische und/oder konstruktionsbedingte Gründe in Frage.

Im Detail entsteht die Rückkopplung dadurch, dass die vom Lautsprecher des Hörgerätes erzeugten  Töne vom Gehörgang aus durch die undichte Otoplastik nach außen dringen, und dort nochmals von den Mikrofonen des Hörgerätes aufgenommen werden. Die bereits verstärkten Töne werden also erneut verstärkt, woraus schlussendlich eine Art akustische Schleife resultiert, die als Rückkopplungspfeifen wahrnehmbar ist.

Mögliche Ursachen für ein pfeifendes Hörgerät

  • Ohrenschmalz

Manchmal kann die Lösung simpel sein: durch die Produktion von Ohrenschmalz wird das Hörgerät unter Umständen negativ beeinflusst, die Übertragung der Töne wird behindert und die Laute, die aus dem Ohr wieder nach draußen gelenkt werden, verursachen ein Pfeifgeräusch. Ein solches Problem kann sich dadurch ergeben, dass bei jedem Einsatz des Gerätes ein wenig Ohrenschmalz in Richtung Trommelfell geschoben wird. Kommen die Störungen tatsächlich durch die Produktion von Ohrenschmalz zustande, so ist jedoch für schnelle Abhilfe gesorgt, indem der Hals-Nasen-Ohren-Arzt sich von Zeit zu Zeit um die Entfernung des Ohrenschmalz kümmert. Wichtig: Überlassen Sie die Entfernung des tiefer sitzenden Ohrenschmalzes dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt und führen Sie diese nicht selbst durch.

  • Einflussfaktor Lautstärke und Technik

In erster Linie ist die korrekte Einstellung des Hörgeräts entscheidend für ein befriedigendes Sprachverstehen. Hierzu müssen die Hörgeräte in bestimmten Frequenzbereichen durchaus laut eingestellt werden. Je höher die Lautstärke eingeregelt ist, desto besser ist häufig das Sprachverstehen, aber desto größer ist auch die Neigung des Hörgerätes ein Rückkopplungspfeifen zu erzeugen.  Inzwischen verfügen alle Hörgeräte über eine sogenannte Rückkopplungsunterdrückung, die im Falle eines unerwünschten Pfeifens vom Akustiker aktiviert werden kann. Hierbei ist es aber wichtig, dass der Akustiker sehr behutsam vorgeht, denn häufig regeln die automatischen Rückkopplungsunterdrückungen lediglich bestimmte Verstärkungsbereiche des Hörgeräte herunter. Dadurch wird zwar das Pfeifgeräusch unterdrückt, jedoch können reduzierte Verstärkungspegel zu schlechterem Sprachverstehen führen, was natürlich nicht gewünscht ist.

  • Ohrpassstück sitzt falsch

Womöglich ist das Pfeifen auch auf ein zu offenes oder falsch sitzendes Ohrpassstück zurückzuführen. Hier kann nur der Hörgeräteakustiker helfen, der das Passstück entsprechend richten muss (es muss also nicht zwangsläufig komplett ausgetauscht werden). Das Pfeifen entsteht dadurch, dass der Schall, der eigentlich im Gehörgang bleiben soll aufgrund der falschen Form des Passstücks wieder nach draußen und an das Mikrofon gelangt. Vor allem dann, wenn das Hörgerät schon länger dauerhaft im Einsatz ist, können sich Sitz und Passform verändern – unter anderem auch durch Einflüsse wie eine Gewichtsabnahme oder -zunahme. Eine regelmäßige Kontrolle des Ohrpassstücks ist daher unbedingt zu empfehlen.

Besonders anfällig für Rückkopplungen sind Hörgeräte die statt mit Ohrpassstücken, mit offenen Schirmchen ausgestattet sind. Neben der höheren Neigung zu Rückkopplungen, kann es auch zu einem unerwünschten Abfluss von Verstärkungspegeln kommen, ohne dass diese am Trommefell wirksam werden.

Ebenfalls denkbar ist ein alter, verhärteter Schallschlauch als Ursache, der sich auf den Sitz des Ohrpassstücks auswirkt.

Neben diesen häufigen Gründen können natürlich auch defekte Bestandteile des Hörgeräts für die Störungen verantwortlich sein. Sei es ein Riss im Gehäuse des Hörgerätes, oder z.B. der Defekt an einer sogenannten Lagerung. Helfen kann an dieser Stelle der Hörgeräteakustiker, der das Hörgerät entsprechend anpasst oder repariert.

Können Hörgeräteträger bei einer Rückkopplung selbst aktiv werden?

Grundsätzlich sollten technische Eingriffe oder Feinheiten bei der Einstellung des Hörgeräts dem Profi überlassen werden, dennoch können Träger einige Dinge im Vorfeld auch schon eigenständig überprüfen:

  • Weist das Hörgerät eventuell Verschmutzungen auf, die schnell entfernt werden können?
  • Sitzen die Otoplastik und das Hörgerät richtig?
  • Befinden sich am Hörschlauch oder am Gehäuse des Gerätes Risse, Farbveränderungen oder Verhärtungen?
  • Oder sind keine sichtbaren Defekte trotz ständigen Pfeifens vorhanden?
  • Hilfreich ist es ebenso, wenn sich der Träger die Situationen notiert, in denen das Pfeifen auftritt.

Um den Defekt zu beheben, ist der Gang zum Hörgeräteakustiker allerdings unumgänglich. Dieser wird nach Überprüfung des Geräts auch kleinste Haarrisse oder sonstige Probleme entdecken und beheben können. Handelt es sich nicht um ein konkretes technisches Problem, so wird der Spezialist das Hörgerät ggf. neu justieren, oder das Ohrpassstück bearbeiten bzw. erneuern.

Vorbeugung von Rückkopplungen durch sorgsamen Umgang

Damit es im besten Fall gar nicht erst zu Rückkopplungen und Pfeifgeräuschen kommt, gilt es das sensible Gerät sorgsam zu behandeln. Neben Routinechecks beim Hörakustiker schließt dies auch die ordnungsgemäße Aufbewahrung und Anwendung mit ein. Gerade Feuchtigkeit kann dem Gerät zusetzen, weshalb es nicht im Badezimmer aufbewahrt werden sollte. Bei Bedarf schafft außerdem ein spezielles Trockengerät Abhilfe, wenn der Träger beispielsweise viel schwitzt oder das Hörgerät häufig Feuchtigkeit ausgesetzt ist.