Hörsturz: Ursachen und Therapie

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Hörsturz: Ursachen und Therapie2018-08-24T10:21:32+00:00

In Deutschland erleiden rund 250.000 Menschen jährlich einen sogenannten Hörsturz. Die Betroffenen hören plötzlich ohne erkennbaren Grund schlecht, wobei sich das Problem in der Regel nur auf ein Ohr beschränkt. Treffen kann der Hörsturz theoretisch jeden, es handelt sich also nicht um ein altersbedingtes Hörproblem. Mit der richtigen und vor allem frühzeitigen Behandlung lässt sich in vielen Fällen jedoch effektiv Abhilfe schaffen, ohne dass ein bleibender Hörschaden entsteht.

Was ist ein Hörsturz?

Selbst heute ist der Hörsturz noch immer eine weitestgehend ungeklärte Diagnose, deren genaue Ursachen im Dunkeln liegen. Bei einem Hörsturz handelt es sich häufig um einen einseitig auftretenden, plötzlichen Hörverlust. Er kann von einer Minute zur nächsten einsetzen und die Betroffenen klagen in vielen Fällen über ein dumpfes Gefühl oder „Watte im Ohr“. Auch wird der Hörsturz häufig von einem Tinnitus begleitet, davon abgesehen tut ein Hörsturz üblicherweise aber nicht weh. Seltener kommt es zudem zu Schwindelgefühlen. Manchmal halten die Symptome nur vorübergehend an, die Dauer kann aber durchaus unterschiedlich sein. Auch seine Intensität variiert, so kann er bei einigen so gering sein, dass er gar nicht bemerkt wird und bei anderen so ausgeprägt, dass er sich in völliger, einseitiger Taubheit äußert.

Symptome eines Hörsturzes richtig deuten

Umso wichtiger ist es, die typischen Symptome eines Hörsturzes nicht zu ignorieren und sofort aktiv zu werden.

  • Ist die Umwelt auf einem Ohr plötzlich leiser?
  • Hören sich Stimmen und Musik anders und fremd an?
  • Die Richtung, aus der ein Ton kommt, ist nicht mehr eindeutig bestimmbar?
  • Treten sogar Schwindelgefühle oder Tinnitus auf?

Dann sollte unverzüglich ein HNO-Arzt aufgesucht werden!

Hörsturz durch Stress?

Lange Zeit galten Überlastung, Stress, Termindruck und ähnliche Einflüsse als einige der wohl wichtigsten Faktoren, die einen Hörsturz begünstigen. Denn in vielen Fällen leidet das Gehör insbesondere dann, wenn der Stress am größten ist. Bis heute lässt sich ein derartiger Zusammenhang jedoch noch nicht nachweisen. Denkbar wäre, dass der Stress Durchblutungsstörungen und Entzündungen im Ohr begünstigt, aufgrund fehlender konkreter Hinweise kann er jedoch nicht als eindeutiger Risikofaktor bezeichnet werden.

Was kann und sollte ich bei einem Hörsturz tun?

Nicht jeder Hörsturz ist zwangsläufig ein Notfall, trotzdem sollten Betroffen so bald wie möglich einen fachkundigen Arzt aufsuchen. Denn hinter einem Hörsturz können viele unterschiedliche Ursachen liegen und diese müssen mitunter sehr zügig therapiert werden. Zudem gilt: Je schneller die richtige Behandlung eingeleitet wird, desto größer sind auch die Regenerationschancen, damit das Ohr seine Hörfähigkeit wieder verbessert. Tatsächlich verschwinden die Symptome bei rund der Hälfte aller Betroffenen bereits wieder innerhalb von 24 Stunden. Gleichzeitig lässt die Diagnose Hörsturz viele Patienten aber auch unzufrieden zurück, denn eine tatsächliche Ursache für das schlechtere Hörvermögen kann in der Regel nicht gegeben werden. Bei der Untersuchung wird daher auch vor allem auf das Ausschluss-Prinzip gesetzt, es werden also zunächst sämtliche Ohrerkrankungen ausgeschlossen, die nicht in Frage kommen. Auch gilt es herauszufinden, ob und wie stark das Ohr bereits geschädigt ist. Dafür kommt ein sogenanntes Audiogramm, also ein Hörtest zum Einsatz.

Wie wird ein Hörsturz behandelt?

Da die genaue Ursache eines Hörsturzes nicht bekannt ist, ist seine gezielte Therapie entsprechend schwierig. Die Behandlungsansätze sind mittlerweile sehr zahlreich und unterschiedlich, bringen jedoch nicht nur Vorteile, sondern mitunter auch Nachteile mit sich. Einige von ihnen sind unter Ärzten außerdem durchaus umstritten. Idealerweise setzen sich Arzt und Patient zusammen, um ein gemeinsames Vorgehen zu beschließen und dieses individuell abzustimmen. In jedem Fall gilt es dabei sämtliche Vorteile und Nebenwirkungen zur Sprache zu bringen. Ein wichtiger Punkt, der ebenfalls zu bedenken ist: Einige Therapien werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt – eben deshalb, weil ihre Wirksamkeit nicht ausreichend belegt werden kann.

Cortison bei Hörsturz?

Bei einem Hörsturz wird üblicherweise zur sogenannten Glukokortikoid-Therapie gegriffen, also einer Behandlung mit Cortison beziehungsweise mit den entsprechenden Wirkstoffen. Die Betroffenen nehmen das Medikament entweder in Tablettenform oder als Infusion über mehrere Tage hinweg ein. Mittlerweile wird an der Wirksamkeit von Cortison in diesem Zusammenhang allerdings immer häufiger gezweifelt. So ergab eine Untersuchung des MDS (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) beispielsweise, das Cortison bei Hörsturz nicht erfolgsversprechend ist. Untersucht wurde dabei die Wirksamkeit von Cortison im direkten Vergleich mit einem Placebo – die Wissenschaftler konnten jedoch keinen nennenswerten Unterschied erkennen.

Weitere gängige Hörsturz-Therapien sind die folgenden:

  • Intratympanale Therapie

Cortison wird mittels Spritze direkt ins Mittelohr verabreicht, sodass der Wirkstoff in höherer Konzentration ins Innenohr gelangt. Diese Therapieform hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr bewährt. Selten kann es vorkommen, dass es hierbei zu einem bleibenden Loch im Trommelfell oder zu Mittelohrentzündungen kommt. Bei etwa 50% der durch die Intratympanale Therapie behandelten Patienten kommt es zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome.

  • Rheologische Therapie

Vor allem früher wurden Infusionen verabreicht, um den Blutfluss zu verbessern, im Speziellen Mittel wie Hydroxylethylstärke (HES)– seit 2014 ist HES für diesen Behandlungszweck allerdings nicht mehr zugelassen.

  • Ionotrope Therapie

Die ionotrope Therapie kommt nur in speziellen Fällen zum Einsatz. Hierbei werden bestimmte Betäubungsmittel über die Vene verabreicht, müssen dafür aber sehr genau dosiert werden. Sie sollen sich günstig auf die Hör-Sinneszellen und Tinnitus auswirken.

  • Blutreinigung

Bei einer sogenannten Apharese wird das Blut des Patienten durchgehend über einen Schlauch abgeleitet und mithilfe einer Maschine gereinigt und von unerwünschten Blutbestandteilen getrennt. Danach fließt das gereinigte Blut wieder zurück in den Patienten. Eine solche Therapie wird stark individuell auf den Betroffenen abgestimmt und sollte ausschließlich in einer Klinik oder einem Dialysezentrum stattfinden.

  • Hyperbare Sauerstofftherapie

Bei dieser Therapie befindet sich der Betroffene mehrfach in einer Druckkammer und atmet reinen Sauerstoff. Das Hörorgan soll hiervon positiv beeinflusst werden. Üblicherweise ist diese Therapie recht teuer, kann nur in speziellen Druckkammerzentren durchgeführt werden und wird auch nur dann angewandt, wenn keine andere Therapie anschlägt. Zwar gibt es ebenfalls Sauerstofftherapien ohne Druckkammer, diese gelten aber als wirkungslos.

Hörschäden nach dem Hörsturz – was nun?

In vielen Fällen lassen sich die Symptome eines Hörsturzes vollständig behandeln, oftmals verschwinden sie sogar vollständig von alleine. Leider gibt es aber auch immer wieder Fälle, in denen die Hörfähigkeit nach einem Hörsturz nicht mehr vollständig zurückkehrt. In diesem Fall sollten Betroffene sich nicht scheuen, ein Hörgerät in Anspruch zu nehmen, um die entstandenen Schäden auszugleichen. Wer seitdem mit leichtem oder mittlerem Hörverlust leben muss, hat hier beste Chancen auf eine komfortable und äußerst effektive Hilfe. Gleichzeitig sind moderne Hörgeräte mittlerweile so klein und dezent, dass sie die eingeschränkte Hörfähigkeit ausgleichen, ohne dabei aufzufallen. Wichtig und sinnvoll ist die Nutzung eines Hörgerätes aber auch, um das Gehör weiterhin zu trainieren, sodass das Gehirn nicht verlernt, die Geräusche richtig zu deuten.

Ihr HNO-Arzt kann Ihnen diesbezüglich weiterhelfen, ebenso stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne beratend zur Seite!

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