Diagnose Altersschwerhörigkeit – Ursachen, Folgen und Hilfsmittel

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Diagnose Altersschwerhörigkeit – Ursachen, Folgen und Hilfsmittel2018-08-24T10:21:32+00:00

Wer das fünfte Lebensjahrzehnt erreicht hat und vermehrt Probleme damit bekommt, Gesprächen folgen zu können, der sollte womöglich seinen Arzt aufsuchen und sich auf Schwerhörigkeit untersuchen lassen. Denn diese Erkrankung ist nicht selten: Ein Blick auf die jüngste Statistik des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V. zeigt, dass immerhin jeder Vierte im Alter zwischen 50 und 59 Jahren hörgeschädigt ist. Bei den 60- bis 69-Jährigen sind 37 Prozent von einem Hörleiden betroffen und mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller Senioren über 70 Jahre haben solche Beeinträchtigungen.

Typische Symptome der Hörschädigung im Alter

Zu Beginn der Erkrankung, in der Medizin als Presbyakusis bezeichnet, haben Betroffene meist bloß Schwierigkeiten damit, hohe Töne wahrzunehmen. Konsonanten wie s, t, k, f und p sind die Sprechtöne mit den höchsten Frequenzen. Mit der Zeit kommt der Mittel- und Tieftonbereich hinzu, eine generelle Hörminderung prägt sich aus. Zudem beklagen viele Altersschwerhörige, dass sie ihre Gesprächspartner bei zeitgleich auftretenden Hintergrundgeräuschen immer schwerer verstehen. Die Stimmen klingen undeutlich oder verzerrt; außerdem können Klingelgeräusche, Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen hinzukommen. Auch Ohrengeräuschen wie etwa der Tinnitus treten bei Altersschwerhörigen häufig auf.

Quelle: Signia

Ursachen für Altersschwerhörigkeit

Allgemeine Alterungsprozesse können das Innenohr mit seinen Sinnes- und Haarzellen wie auch den Hörnerv und Bereiche im Gehirn, die für die Weiterverarbeitung von Schallwellen zuständig sind, beeinträchtigen. Zudem können erbliche Veranlagungen und schädigende Umwelteinflüsse wie etwa Lärm, Ursachen für eine Hörschädigung im Alter sein. Ebenso wird Altersschwerhörigkeit durch den Konsum von Nikotin, durch zu hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, gewisse Medikamente oder frühere Mittelohrerkrankungen begünstigt.

Der Altersschwerhörigkeit vorbeugen

Einem altersbedingten Hörverlust kann nur in sehr geringem Maße vorgebeugt werden. Jedoch sollte schon in jungen Jahren darauf geachtet werden, dass der Körper vor begünstigenden Faktoren, wie etwa übermäßigem und dauerhaftem Lärm bei Konzerten, Diskotheken oder am Arbeitsplatz, geschützt wird. Experten raten, in solchen Situationen Gehörschutz zu tragen und auf laute Musik über Kopfhörer komplett zu verzichten. Ein Spaziergang in der Natur oder ein ruhiger Leseabend wirken wie Balsam für das Gehör, das täglich zahlreiche Geräusche aufnehmen und verarbeiten muss.

Wie wird diese Erkrankung diagnostiziert?

Altersbedingter Hörverlust entsteht oft schleichend und steigert sich über einen langen Zeitraum. Deshalb ist es wichtig, dass sich Betroffene bei Verdacht auf eine Alterschwerhörigkeit schon frühzeitig untersuchen lassen. Der Arzt versucht dann die Ursache für die Hörminderung herauszufinden. Dabei wird z.B. ermittelt, ob es sich um eine Mittel-Ohr-Schwerhörigkeit oder eine Innen-Ohr-Schwerhörigkeit handelt. Um auch andere krankhaften Ursachen, wie z.B. entzündliche Prozesse oder Tumore auszuschließen, werden nicht nur die Ohren, sondern auch Nase und Mund untersucht. Die weitere Diagnostik umfasst die Messung eines Tonaudiogramm sowie die Ermittlung des Sprachverstehens sowohl in ruhiger, als auch in geräuschvoller Umgebung. Untersucht wird auch die Weiterleitung der elektrischen Signale vom Innenohr über den Hörnerv zum Gehirn.

Folgen bei Nichtbehandlung einer Schwerhörigkeit im Alter

Wer seine Altersschwerhörigkeit verdrängt, der riskiert weitreichende Folgen: Denn das Gehirn gewöhnt sich daran, weniger zu hören, was den Hörverlust wiederum beschleunigen kann. Gefährlich wird es, wenn sich Menschen dadurch zunehmend zurückziehen. Schnell baut bei Isolation die intellektuelle Leistungsfähigkeit ab; unter Medizinern gilt eine nicht versorgte Altersschwerhörigkeit als Risikofaktor für Altersdemenz und Altersdepressionen. Umso wichtiger ist es, eine Schwerhörigkeit im Alter möglichst früh zu erkennen und mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern.

Was tun, wenn eine Altersschwerhörigkeit vorliegt?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass Betroffene die Erkrankung annehmen und auch gegenüber der Familie, Bekannten und anderen Gesprächspartnern nicht leugnen, dass sie schwer hören. So können diese bei der Kommunikation mehr Rücksicht auf ihre Bedürfnisse nehmen; womöglich langsamer, deutlicher und lauter reden.

Eine medikamentöse Behandlung von Altersschwerhörigkeit ist bisher nicht möglich. Zwar gibt es verschiedene Forschungen dazu, jedoch liegen noch keine konkreten Ergebnisse über die Wirksamkeit vor.

Patienten können jedoch beispielsweise Schulungen zum Lippenlesen besuchen. Diese Fähigkeit zu erlernen ist, insbesondere bei großem Hörverlust, sehr hilfreich und kann als Ergänzung zum Hören eingesetzt werden. Weiterhin können Hörgeschädigte an einem Hörtraining, wie der terzo®Gehörtherapie, teilnehmen, bei denen sie lernen, ihr Gegenüber in lauter und geräuschvoller Umgebung besser zu verstehen.

Es gibt aber auch eine Reihe technischer Geräte, die das Hörvermögen deutlich verstärken und die Lebensqualität somit immens verbessern:

  • So können beispielsweise Wecker oder Türklingeln eingesetzt werden, die nicht allein durch akustische, sondern auch durch optische Signale oder Vibrieren auf sich aufmerksam machen.
  • Außerdem ist es möglich, Verstärker für das Telefon zu installieren, die das Gesagte des Gesprächspartners lauter erklingen lassen, ohne dass das Gegenüber schreien muss.

Keine Angst vor einem Hörgerät!

Eine amerikanische Studie (von Sivantos Inc. unter 321 Teilnehmern des 2015 „Life @ 50 + nationale Event & Exp“, USA durchgeführt), hat gezeigt, dass ein Großteil der Senioren mit Hörproblemen lieber die negativen Folgen der Erkrankung hinnimmt, als ein Hörgerät zu tragen. Nur jeder Sechste ist bereit dazu, solch ein technisches Hilfsmittel zu verwenden. Die Befragten glauben, dass ihr Gegenüber womöglich negativ auf ein Hörgerät reagieren könnte. Dabei ist eine bereits frühzeitige Versorgung mit einem Hörgerät sehr sinnvoll. Meist werden diese technischen Hilfsmittel im oder hinter dem Ohr getragen und können individuell an die Bedürfnisse des Betroffenen angepasst werden.

  • Das Hörgerät: Ein Hörgerät wird durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt verordnet, nachdem dieser die Diagnose für eine entsprechende Schwerhörigkeit gestellt hat. Das Gerät soll die Schwerhörigkeit soweit ausgleichen, dass der Patient wieder normal am Leben teilhaben kann. Die Ursachen der Schwerhörigkeit beseitigt es jedoch nicht.
  • Die Tympanoplastik: Die Tympanoplastik bezeichnet eine Operation im Mittelohr, um Störungen in der Schallübertragung zu beseitigen. Beim Eingriff werden Erkrankungsherde im Ohr entfernt und Trommelfellperforationen geschlossen. Außerdem können Gehörknöchelchen wieder aufgebaut oder ersetzt werden.
  • Das Cochlea-Implantat: Bei Cochlea-Implantaten handelt es sich um elektronische Implantate, die zum Einsatz kommen, wenn eine Verstärkung der Schallwellen mit Hilfe eines Hörgerätes nicht mehr ausreicht. Bei Hörstörungen wie Innenohrschwerhörigkeit, bei denen die Schnecke (Cochlea) nur noch teilweise oder gar nicht mehr funktioniert, sind Cochlea-Implantate eine gute Alternative. Sie machen allerdings nur dann Sinn, wenn der Hörnerv unbeschadet ist.

Zusätzliche Tipps für Angehörige:

Angehörige von Menschen mit einer Hörminderung sollten Geduld und Verständnis für die Erkrankung aufbringen. Mit einfachen Tipps können Gespräche mit Altersschwerhörigen für diese leichter verständlich geführt werden:

  • Beim Reden sollte nicht die Hand vor den Mund gehalten werden. Auch mit Kaugummi, Zigarette oder Essen im Mund wird Gesagtes für den Gesprächspartner schwerer verständlich.
  • Hörgeschädigte verstehen kurze Sätze besser als lange Schachtelsätze. Zudem kann Gesagtes zusätzlich mit Gestik, Mimik und Körpersprache verdeutlicht werden.
  • Im Idealfall redet nur eine Person, nicht mehrere zur gleichen Zeit. Wer spricht, der wendet sich dem Hörgeschädigten zu.
  • In Gesprächsrunden sollte ein Fernseher oder Radio ausgeschaltet und somit störende Hintergrundgeräusche vermieden werden.
  • In größeren Runden ist es wichtig, den Erkrankten immer wieder in Gespräche einzubinden. So kann ihm beispielsweise Gesagtes kurz zusammengefasst und Wichtiges noch einmal wiederholt werden.