Stadtgespräch des Freundeskreis Garbsen: „Ist Hören wichtig?“

//Stadtgespräch des Freundeskreis Garbsen: „Ist Hören wichtig?“

Stadtgespräch des Freundeskreis Garbsen: „Ist Hören wichtig?“

Ist Hören wichtig?“ Hohe fachliche Kompetenz beim Stadtgespräch des Freudeskreis Garbsen. Foto von links: Prof. Dr.-Ing. Heinz Haferkamp, Moderator und Organisator, Prof. Prof. h.c. Dr. med. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Gabriele Korallus, Hörgeräteakustikmeisterin, Hörgeräte Korallus,  Prof. Dr. med. Eckart Sindern, Direktor der Neurologie Friederikenstift, Prof. Dr. med. Matthias Schönermark, Professor für Medizinmanagement an der MHH,  PD Dr. med. Thomas Koch, niedergelassener HNO-Arzt in Hannover, Knut Söderberg, Mecklenburgische Versicherung.

Initiiert und organisiert durch den Freundeskreis Garbsen, fand am Dienstag, den 15.08.17 im Ratssaal des Rathauses Garbsen das Stadtgespräch statt. Zu der öffentlichen Veranstaltung zum Thema „Ist Hören wichtig?“ waren fachkompetente Experten, interessierte Bürger und auch betroffene Hörgeschädigte eingeladen. Prof. Haferkamp vom Freundeskreis Garbsen moderierte und leitete das Stadtgespräch.

Als Hauptreferent hielt Professor Lennarz zu Beginn der Veranstaltung einen Vortrag über den Aufbau und die Funktion des Gehörs, und erläuterte anschaulich die Ursachen von Hörstörungen. Nach eingehender Diagnostik, seien die Behandlungsmöglichkeiten bei Hörstörungen vielfach. So kommen hörverbessernde Operationen in Frage, oder auch medikamentöse Therapien, z.B. für die  Behandlung eines Hörsturzes. Häufig werden als Folge eines Hörverlustes Hörgeräte verordnet und angepasst. Wenn aber eine Versorgung mit Hörgeräten nicht ausreichend ist, kann die Implantation von Cochlear Implantaten indiziert sein. Dieses stellt für betroffene Patienten eine wichtige Perspektive dar. Professor Lennarz ist Direktor der Hals-Nasen-Ohren Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Mit seinem weltweit größten Chochlear-Implantat-Programm ist  die Hals-Nasen-Ohren Klinik international führend.

Prof. Sindern ist Direktor der Neurologie im Friderikenstift und ging darauf ein, dass Hören nicht nur eine Funktion des Mittel- und Innenohres ist, sondern dass unser Gehirn maßgeblich dafür verantwortlich ist, die Signale des Innenohres zu übersetzen, so dass wir diese als Höreindruck wahrnehmen können. Wichtig ist, dass unser Gehirn empfindlich auf Veränderungen reagiert; so auch auf Hörverluste. Studien zeigen, dass für Betroffene mit unbehandelten Hörverlusten – gegenüber Normalhörenden oder Hörgeräteträgern – eine größeren Wahrscheinlichkeit besteht an einer Demenz zu erkranken.

PD Dr. med. Thomas Koch ist niedergelassener HNO-Arzt in Hannover und erläuterte, wie wichtig es ist Hörverluste möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Je länger man wartet, desto schwieriger könnte es später sein, das Hören mit einem Hörgerät zu erlernen. Dr. Koch berichtet, dass viele seiner Patienten mit der Lautstärke eines Hörgerätes zunächst überfordert sind, hier sind besonders Patienten mit leicht- bis mittelgradigen Hörverlusten betroffen. Es ist aber wichtig, sich schrittweise an die erforderlichen Lautstärkepegel zu gewöhnen, denn nur so besteht die Möglichkeit einen Hörverlust erfolgreich auszugleichen.

Gabriele Korallus ist Hörgeräteakustikmeisterin, betreibt Fachgeschäfte für Hörakustik in Garbsen, Seelze und in der Region Hannover.  Auch Frau Korallus berichtet, dass viele Kunden auf Grund langer unbehandelter Hörverluste „hör“-entwöhnt sind, sodass sie keine lauten oder hochfrequenten Lautstärkepegel vertragen können. Auch das Sprachverstehen im Störgeräusch wurde z.T. regelrecht verlernt. In den Betrieben von Hörgeräte Korallus wird aus diesem Grunde zu Beginn einer Hörgeräteanpassung ein Hörtraining angeboten. Ziel des Trainings ist es, die Fähigkeit des Hörens im Störgeräusch zu verbessern und die Toleranz gegenüber lauten Verstärkungspegel zu erhöhen.

Frau Korallus ging auch darauf ein, dass sich die Technik der Hörgeräte ständig verbessert, sodass man inzwischen von High-Tech-Produkten sprechen kann, mit denen die Akustiker in der Lage sind auch sehr komplizierte Hörverluste erfolgreich zu versorgen.  Längst lassen sich Hörgeräte und Cochlear-Implantate mit dem Fernseher, Telefon und sogar mit dem Handy verbinden. Hierbei wird z.B. der Fernsehton oder der Anrufer direkt auf die Hörgeräte geschaltet. Statt mit der Fernbedienung kann man die Lautstärke bequem mit dem Handy regulieren.

Prof. Schönermark ist Dozent für Medizin-Management an der Medizinischen Hochschule Hannover. Er erklärte den Zuhörern eindrucksvoll, wie wichtig aus ökonomischer bzw. gesundheitspolitischer Sicht die rechtzeitige Behandlung von Hörstörungen ist. Auch wenn  die Kosten einer Hörgeräteversorgung oder Cochlear-Implantat-Versorgung nicht unerheblich sind,  so könnten Folgekosten unbehandelter Hörverluste diese  bei weitem übersteigen. Mögliche Folgekosten unbehandelter Hörverluste könnten durch degenerative Erkrankungen des Gehirns oder durch Depressionen entstehen. Auch Kosten durch Jobverluste oder Frühverrentungen wären erheblich.

Herr Knut Söderberg von der Mecklenburgischen Krankenversicherung berichtete über die Möglichkeiten der Kostenübernahme für Hörgeräteversorgungen seitens der gesetzlichen und privaten Krankenkassen.

Nach dem Vortrag von Prof Lennarz und den Kurzreferaten der anwesenden Experten nutzten zahlreiche Zuhörer die Gelegenheit den Experten Fragen zum Thema Hören, Tinnitus, Cochlear-Implantat und Hörverluste zu stellen.

Mehr zum Stadtgespräch des Freundeskreis Garbsen erfahren Sie auf wochenblaetter.de.

 

 

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